Die „Gute Form“: Porzellanwelten Leuchtenburg zeigen 2019 erstmals Schätze der Designsammlung Högermann

Fotos: Stiftung Leuchtenburg

Zeitlos, sachlich, funktional: Zum 100jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 präsentieren die Porzellanwelten Leuchtenburg bislang noch nie gezeigte Designschätze aus der bedeutenden Sammlung Högermann. Was bislang ein Geheimtipp unter Designkennern war, wird vom 1. April bis zum 31. Oktober 2019 erstmals im Rahmen einer großen Sonderausstellung auf der Thüringer Leuchtenburg zu sehen sein. Gezeigt werden Porzellanikonen und -raritäten der aus der Bauhaus-Ära sowie Bauhaus inspiriertes Porzellandesign der Nachkriegszeit.

Design-Highlights in 1100 Bananenkisten

Es ist ein Mammut-Projekt, das sich die Stiftung Leuchtenburg vorgenommen hat. Denn die umfangreiche Sammlung des Berliner Designhistorikers, Museumskurators und Sammlers Dieter Högermann, die er noch kurz vor seinem Tod auf die Stiftung übertragen hat, wurde in nicht weniger als 1100 Bananenkisten auf der Leuchtenburg angeliefert.

Noch bis Mitte 2018 sind ein Team aus angehenden Museologen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und Mitarbeiter der Stiftung Leuchtenburg mit der Sichtung und wissenschaftlichen Bestimmung der sorgfältig verpackten Stücke beschäftigt. Die Experten arbeiten unter Hochdruck, denn die vollständige Erfassung der Sammlung stellt die Grundlage für die große Sonderausstellung dar. Parallel dazu werden sämtliche Objekte mit Unterstützung der Digitalisierungs-Experten des Museumsverbandes Thüringen fotografisch erfasst. Pünktlich zu Ausstellungsbeginn sind sie dann in der Datenbank digicult für Interessierte, Wissenschaftler und Sammler online abrufbar.

Die „Gute Form“

Den Sammlungsschwerpunkt des ehemaligen Mitarbeiters des Berliner Bröhan Museums und passionierte Sammlers Högermann bilden vor allem Porzellane sowie Designobjekte der „Gute Form“ Bewegung, ein Begriff der bereits zum Wortschatz des frühen Deutschen Werkbundes gehörte, sowie Industriedesign der 60ger und 70ger Jahre. Frühe Designikonen und spätere Stücke des Funktionalismus zählen ebenfalls dazu.

Dr. Ulrike Kaiser, Direktorin der Stiftung Leuchtenburg, ist schon jetzt begeistert von dem Ergebnis der ersten Sichtung: „Es ist großartig, welche hochkarätigen Designer-Porzellane bereits jetzt zum Vorschein gekommen sind. Darunter befinden sich Arbeiten so namhafter Designer wie dem Mitbegründer der Wiener Werkstätten Josef Hoffmann, Gerhard Marcks und dessen Schülerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain. Sie gab das von Marcks in der Dornburger Keramischen Werkstatt des Bauhauses Weimar, erworbene Wissen später an der Burg Giebichenstein ihren Studenten weiter , bis sie das NS Regime entließ. Dazu gehörte u. a. ihr Nachfolger Hubert Griemert, der Porzellane für zahlreiche Manufakturen entwarf.

Vertreten sind ebenfalls Trude Petri, Wilhelm Wagenfeld, Hermann Gretsch, Artur Hennig, Wolf Karnagel, Heinrich Löffelhardt, aber auch Matteo Thun, der mit der Gruppe Memphis eine Gegenposition zur „Guten Form“ vertrat. Präsentiert werden Spitzenstücke aus Porzellanfabriken und den großen Manufakturen Arzberg, Fürstenberg, KPM Berlin, Kahla, Meißen, Friedrich Kästner Zwickau,Schönwald, Rosenthal, und Wien. Selbst wenn Hedwig Bollhagen weder Porzellan entwarf noch produzierte, sind ihre Gefäßkeramiken Klassiker des „Gute Form“ Prinzips.

Für die sowohl örtlich wie inhaltlich exponierte Leuchtenburg ist es selbstverständlich auch Leistungen von DDR-Designern und Designerinnen sowie Porzellanherstellern im Sinne des Bauhauserbes und der „Guten Form“ gebührend zu würdigen, bildete Thüringen doch ein Zentrum der deutschen Porzellanherstellung. Eine beachtliche Anzahl gestalterisch anspruchsvoller Service und Zierporzellane künden vom hohen Können derer, die an den Hochschulen in Halle, Berlin-Weißensee und Weimar studierten oder lehrten.

Daher präsentieren wir auch Porzellandesign von Horst Michel, der in Weimar ganz im Sinne van de Veldes und des Bauhauses als Designer sowie als Publizist und Berater wirkte, weiterhin von Ilse Decho, Hans Merz, Hubert Petras und Margaete Jany Wir erwarten täglich neue Überraschungen und freuen uns darauf, in unserer Sonderausstellung zum Bauhaus-Jubiläum die moderne Designgeschichte der ‚Guten Form‘ anhand der spektakulärsten Stücke aus der Sammlung Högermann und weiterer herausragender Exponate fundiert und lebendig erzählen zu können“, so Kaiser weiter.

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